Rote St.-Anna-Kapelle – Am Lindchen
Ort der Wildenburger Hexenprozesse (17. Jh.) · Mahnmal, Pilgerstation & Erinnerungsort
„Es spielt im Hintergrund: das von (C) 9-2025 / Kingcopy dem Technomystiker komponierte Lied: Rote Kapelle“
Kurzgeschichte des Ortes
Das „Lindchen“ war im 17. Jahrhundert der zentrale Hinrichtungsplatz der Wildenburger Hexenprozesse (ca. 1613–1652). Auf dem Platz wurden in mehreren Wellen Verurteilungen vollstreckt; die lokale Forschung spricht für das Herrschaftsgebiet Wildenburg von über zweihundert Opfern – eine extreme Zahl angesichts der damaligen Bevölkerungsgröße. Die Rote St.-Anna-Kapelle entstand in der Folgezeit als Andachts- und Erinnerungsort: rot gestrichen, beschirmt von der Linde – ein sakrales Siegel über einer Stätte der Gewalt.
Seiderman-Besuch – 07.09.2025
Der Seiderman und Kingcopy verankerten das Projekt an diesem Ort durch einen Gedenkeintrag im Kapellenbuch, dokumentierten Bilder und Symbole (u. a. Anna, Jakobsmuschel mit Santiago-Kreuz) und lasen die Überlagerung: Pilgersinngebung über Hinrichtungsstätte. Die Jakobsmuschel, Zeichen des Atlantikwegs, trägt zugleich das leise Echo der Meeresmutter – eine alte Tiefe unter der kirchlichen Deutung.
„In Gedenken an die Hexenverbrennungen waren heute: Der Seiderman und Kingcopy der Technomystiker hier: der-seiderman.de – zur Erforschung und Gedenken! 7. Sep. 2025.“
Bann & Gegenbann – Der Abend
Am Abend desselben Tages entzündete die Kirche in Dieburg hunderte Kerzen um die St.-Anna-Kirche und zog in einer Lichterprozession durch die Straßen. Die Formation wirkte wie ein lebender Bannkreis, ein Fackelzug des Drachen – feurige Schuppen, die sich durch die Stadt wanden. Im Projekt liest sich dies als Resonanz: geöffnetes Gedenken am Morgen, liturgische Gegenhandlung am Abend.
Kontext – Fragen & Antworten
- Wie viele Menschen wurden hier oben verbrannt?
- Für die Herrschaft Wildenburg nennt die Regionalforschung insgesamt über 200 Opfer der Verfolgungen im 17. Jahrhundert. Der Platz „Am Lindchen“ war der zentrale Vollstreckungsort. (Zahl als Regionalschätzung zu verstehen.)
- Warum eine St.-Anna-Kapelle an einem Hinrichtungsplatz?
- St. Anna, Mutter Marias, steht für Schutz der Familien und Mütter. Die Kapelle „versiegelt“ den Ort religiös – Trostschicht und Überformung zugleich.
- Was bedeutet die Jakobsmuschel an der Tür?
- Pilgerzeichen des Jakobswegs. Symbol der Passage über das Wasser; im Tiefengedächtnis schwingt die Meeresmutter mit – ein Echo vorchristlicher Küstenkulte.
- Seidr-Lesart des Seiderman-Projekts?
- Wir trennen Fakt (belegbare Geschichte), These (Arbeitshypothese) und Deutung (spirituelle Lesart). Hier zeigt sich das Muster: Gedenken öffnen – liturgische Gegenhandlung.
Die Verbindung: Rote Kapelle & St.-Anna-Dieburg
Der Ort „Am Lindchen“ trägt die Rote St.-Anna-Kapelle, errichtet nach den Wildenburger Hexenprozessen, bei denen über zweihundert Menschen verbrannt wurden. Jahrhunderte später entzündete die Kirche im hessischen Dieburg – ebenfalls einer St.-Anna-Kirche geweiht – hunderte Kerzen rund um das Gotteshaus und führte am 07.09.2025 eine große Lichterprozession durch die Stadt.
Damit offenbarte sich die direkte Linie: Zwei Orte, beide Anna geweiht, beide von Ritualen durchzogen – hier die Erinnerung an das Feuer der Verfolgung, dort die Bannflammen einer Prozession. Ein unsichtbares Band, das Geschichte und Gegenwart verknüpft.