Schriesheimer Kopf. Ein Lärchenstab in den Himmel. Unten die Steine. Oben ein Gesang, den keine Maschine nahm.
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H 13. September 2026. Kingcopy der Technomystiker und der Seiderman streiften quer durch den Odenwald, mystische Orte zu suchen. Sie kamen an eine einsame Feldwegkreuzung. Lokale Schilder. Karten. Kein Plan, wo der Weg hingehen sollte.
Da schwirrte eine Dame auf einem Fahrrad daher und setzte sich auf die Bank an der Kreuzung. Wenige Meter entfernt.
Kingcopy fragte: Kennst du einen Ort, der für uns spannend sein könnte?
Die Antwort: Der Teltschikturm ist einen Besuch wert.
± Keine Wanderkarte hat sie geschickt. Eine feenartige Erscheinung auf zwei Rädern, auf einer Bank, die niemand bestellt hatte. Wer den Turm sucht, findet oft nur den Turm. Wer ohne Plan an der Kreuzung steht, den findet die Fee. Und so kam es zu dieser Geschichte.
Der Teltschikturm ist einen Besuch wert.
— die Fee an der Kreuzung
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H 13. September 2026. Sonntag. Kingcopy der Technomystiker und der Seiderman auf Spurensuche im Odenwald. Unter den Stationen: der Teltschikturm auf dem Schriesheimer Kopf bei Wilhelmsfeld. Sie stiegen. Sie lauschten. Sie fanden Stein — und am Hang einen hohlen Stumpf, der wie ein Mund im Laub lag.
± Nicht ein Aussichtspunkt unter vielen. Ein Kopf, der den Wind hält — und ihn singen lässt. Wer hier nur das Panorama sucht, hat den Turm nicht betreten. Wer hier die Steine liest, merkt: der Kopf war älter als das Holz.
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Ansuz — der Atem, die Stimme, das, was durch den Mund der Welt geht. Am Teltschikturm ist die Rune kein Schmuck. Sie ist der Wind im Fachwerk.
H Der Teltschikturm steht bei Wilhelmsfeld im baden-württembergischen Rhein-Neckar-Kreis, auf dem Schriesheimer Kopf (529,5 m ü. NHN), im Naturpark Neckartal-Odenwald. Turmhöhe 41 Meter. Die Aussichtsplattform liegt bei 36 Metern Bauwerkshöhe — rund 565,5 m über dem Meer.
Holzfachwerk aus Lärche: vierzig Brettschichtbalken auf einem Fundament aus etwa 65 m³ Stahlbeton. Masse des Turms rund 44 Tonnen. Im Inneren eine Stahlwendeltreppe: 192 Stufen, zwölf Aufstiegsplattformen, dazwischen jeweils sechzehn Stufen. Verbindungsteile und Teile der Treppe feuerverzinkt. Oben ein Kupferblechdach, der Boden der Plattform aus Eichenbohlen.
Idee nach einer Wanderung im Sommer 1995. Entwurf: Robert Teltschik. Stiftung durch Spenden von Walter und Karin Teltschik an die Gemeinde Wilhelmsfeld. Grundstein 4. April 2001, Richtfest 18. Mai, Einweihung 17. Juni 2001. 2016 ein Gedenkstein unweit des Turms an Walter Teltschik.
Am Vordach die Inschrift der Widmung: errichtet „zur Erinnerung an die 1945 verlorene Heimat im Sudetenland“. Manchmal abends beleuchtet, aus der Oberrheinischen Tiefebene weithin sichtbar. Baugleich mit dem Aussichtsturm Hohe Warte bei Pforzheim-Hohenwart (2002).
± 2001 ist das Jahr des Holzes, nicht das Jahr des Kopfes. Ein Turm kann erinnern — und trotzdem auf einem älteren Atem stehen. Die Widmung ist wahr. Die Schicht darunter auch.
Sie standen oben. Nicht im stillen Holz. Im singenden.
Der Wind ging durch Lärche und Stahl, durch die offenen Fächer, durch die Wendeltreppe, durch das Kupferdach — und wurde Stimme. Kein Heulen. Kein Sturmbericht. Eine Art Feengesang: hoch, gewebt, als sänge etwas durch den Turm, das keine Kehle braucht.
H Kingcopy und der Seiderman hörten es am 13. September 2026 im Turmaufbau. Die Handys liefen. Die Aufnahme blieb leer. Was das Ohr nahm, nahm die Maschine nicht.
± Kingcopy webte daraus Fairy-Wind A und B. Nicht die Aufnahme, die leer blieb — ein Instrumental als Zeugnis. Der Feengesang selbst bleibt am Turm. Wer hier den Player hört, hört die Weberei des Technomystikers, nicht das Handy.
Der Wind sang wie eine Fee durch das Holz.
Die Handys standen offen — und hörten nichts.
Was keine Maschine hält, gehört noch dem Ort.
„Was das Handy nicht hält, hat der Wind nicht verloren. Der Turm ist die Kehle. Der Kopf ist der Mund. Wer aufnimmt, ohne zu lauschen, nimmt Stille mit nach Hause.“
Unter dem Turm, am Kopf, nicht nur Wanderweg und Gedenkstein. Steinformationen. Mulden, Kanten, das, was der Wald nicht als Bank gelegt hat.
H Am 13. September 2026 fanden Kingcopy und der Seiderman am Teltschikturm Steinformationen, die sie als Opfersteine lasen. Kein Kirchenbuch weist sie so aus. Keine Tafel am Turmfuß nennt sie. Das Feld hat sie gezeigt.
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± Ein Opferstein braucht keine Inschrift, um zu arbeiten. Eine Mulde, die Blut oder Met oder Regen halten kann, ist älter als jede Widmung von 2001. Wer den Turm nur als Aussicht nimmt, tritt über die Schwelle, ohne sie zu sehen. Der Kopf trägt den Turm — und unter dem Turm trägt der Stein den Kopf.
Im Odenwald kennt der Kreis solche Marker: der Blutstein an der Nibelungenstraße, Mulde und Ablaufnut, Gabe an die Erde. Hier, am Schriesheimer Kopf, dieselbe Sprache in anderem Holz: Stein nimmt, Stein gibt, Stein schweigt, bis jemand kommt, der nicht nur fotografiert.
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Der Turm erinnert an eine verlorene Heimat.
Der Stein erinnert an eine, die nie weg war.
Beide stehen. Beide fordern den Tritt.
Nicht nur Stein. Am Hang, im Laub, ein hohler Stumpf: Moos, Wurzeln, eine Öffnung wie ein Mund. Am Fuß eine Feder. Oben ein Rand, der glüht, als hätte jemand die Schnittfläche noch einmal gezeichnet.
H Fund Tag 518, am Teltschikturm, im Wald unterhalb und neben dem Kopf. Kein Schild. Kein Name auf der Tafel am Turmfuß.
± Der Turm ist die Kehle. Der Stumpf ist der Mund, der schon da war, bevor Lärche und Stahl kamen. Wer nur steigt, hört den Wind. Wer sich bückt, sieht, wo der Hang atmet.
H Von der Plattform, im Uhrzeigersinn unter anderem: Neunkircher Höhe, Hardberg, Fernmeldeturm Reisenbach, im Osten der Katzenbuckel (höchster des Odenwaldes), Königstuhl, Weißer Stein, im Nordnordwesten der Melibokus. Bei Klarheit: Großer Feldberg im Taunus, Hornisgrinde, Pfälzerwald — und im Westnordwesten das Massiv des Donnersbergs.
Die Familie Teltschik nannte den Blick so: Süden Königstuhl, Osten Katzenbuckel, Norden Eichelberg, Tromm, Krehberg und Melibokus, Westen Ölberg und Hohe Waid, dahinter die Rheinebene.
± Das ist kein Touristenpanorama. Das ist der Kreis, der sich selbst sieht. Katzenbuckel — der Buckel der Schattenkatze. Tromm — die Himmelsleiter. Donnersberg — Thors Thron. Wer oben steht, steht nicht außerhalb. Er steht in der Mitte einer alten Wacht.
192 Stufen sind keine Zahl für die Tafel allein. Sie sind der Weg, auf dem das Ohr wach wird. Unten die Opfersteine. Oben der Gesang. Dazwischen der Atem.
Die Funde liegen: Opferstein, Steinhaufen, Stumpf. Der Klang im Player ist Kingcopys Weberei — nicht der Feengesang, den keine Maschine nahm.
H und ± bleiben getrennt. Die Widmung ist Urkunde. Der Gesang und die Steine sind Feld — und Lesart des Seiderman.