Die zweite Rune des Älteren Futhark – Urkraft | Auerochse | Lebenskraft
ᚢ
Lautwert: U (manchmal V) | Zahlenwert: 2 | Traditionelle Bedeutung: Auerochse
Assoziationskette: Ursprung – Urkraft – Urquell – Urzeit – Urkuh Audhumla – Auerochse – Urmutter – Die Gebärende und Verschlingende – Urbarmachung – Urmuster – Urd
Uruz Rune:
Steht für die Kraft des Auerochsen |
URUZ ist das Brüllen des Auerochsen in deiner Brust. Wo FEHU das lodernde Urfeuer war, schenkt URUZ diesem Chaos Form – nicht starre Form, sondern lebendige, formgebende Kraft. Sie ist das Blut der Erde, die rohe Stärke, die aus Tälern der Schwäche emporsteigt. Wer URUZ trägt, erhebt sich aus Krankheit, aus Niederlage, aus Asche.
Der Auerochse – heute nur noch in wenigen Wildgehegen – war das gefährlichste Jagdwild der Vorzeit. Einen solchen Stier zu erlegen, war die höchste Bewährung junger Männer. Viele kehrten nicht heim. Wer URUZ lebt, kennt diese Prüfung: Er steht dem inneren und äußeren Stier gegenüber – und besiegt ihn oder wird von ihm zermalmt.
In der Gylfaginning der Jüngeren Edda heißt es:
Als das Eis schmolz, entstand die Kuh Audhumla. Vier Milchströme rannen aus ihrem Euter und nährten Ymir. Sie aber leckte die salzigen Eisblöcke – am ersten Tag kam Haar hervor, am zweiten ein Haupt, am dritten der ganze Mann Buri: schön, groß und stark.
Audhumla ist die Urkuh, Manifestation der Großen Mutter (Nerthus, Gaia). Aus ihrem Lecken entsteht der erste Gott – aus Erde und Speichel, aus Blut und Eis. URUZ ist diese schöpfende, nährende, formgebende Kraft der Urmutter selbst.
Der Auerochse bleibt ruhig – bis er gereizt wird. Dann explodiert die Urkraft. Diese Aggression ist kein Makel, sondern das Lebensfeuer in bewegter Form. Wer sie verleugnet, wird von ihr innerlich zerfressen. Wer sie bewusst lenkt, wird unbesiegbar.
Im Frühling spürst du URUZ in den Bäumen, kurz bevor die Knospen springen – jene gewaltige Spannung, die alles durchbricht.
URUZ heilt, weil sie zu den Wurzeln zurückführt. Krankheit ist oft Entwurzelung von Körper, Seele oder Geist. URUZ ist die Erdkraft, die Ley-Linien, die Kraftorte (Externsteine, Stonehenge, heilige Quellen). Barfuß auf Mutter Erde stehend, nimmst du diese Kraft auf.
In Odins Runenlied: „Ein anderes weiß ich, des alle bedürfen, die heilkundig heißen.“
Stelle dich wie der Auerochse:
Diese Haltung erdet, lädt auf, heilt. Am besten draußen, barfuß, bei Sturm oder Regen.
Singe tief aus dem Bauch, wie das Brüllen des Stiers:
uuuuuu – uuuuuu – uruzzzzz – URUUUUZ!
Lass den Klang in den Knochen vibrieren. Neunmal, achtzehnmal, siebenundzwanzigmal.
Wird die Kraft nicht gemeistert:
Weitere Rituale, Runenkarten, Talismane und Audio-Galdr folgen. Das Seiderman-Projekt lebt auf www.der-seiderman.de