Adrian sagt: "Ich war in Dänemark – dort hieß es, Seiðr sei Frauensache. Ich glaube, das ist nichts für Männer."
Adrian kehrte nachdenklich zurück – zweifelnd, ob der Seiderman überhaupt auf einem berechtigten Weg ist.
„Was einst nur Frauen vorbehalten war, berührt heute die Seelen der Mutigen – ungeachtet ihrer Gestalt.“
In alten Überlieferungen wird berichtet: Freyja, Göttin der Liebe, Fruchtbarkeit und Magie, war die erste, die den Seiðr beherrschte. Sie brachte diese Kunst den Göttern – und Odin selbst war es, der bereit war, sie von ihr zu erlernen. Dafür musste er über sein Ego hinausgehen, denn in der damaligen Kultur galt Seiðr als „weiblich“, ja sogar als beschämend für Männer.
Doch Odin – getrieben von seinem unstillbaren Durst nach Wissen und Macht über das Schicksal – tat es dennoch. Er nahm den Spott in Kauf, ließ sich nicht beirren. Denn er wusste: Wer Seiðr beherrscht, kann das Gewebe der Welt berühren – und es neu knüpfen.
Im Hávamál, den Sprüchen Odins, heißt es:
„Ich weiß, ich hing an windigem Baum,
neun Nächte lang, vom Speer verwundet –
dem Odin geopfert, mir selbst gegeben –
am Ast jenes Baums, den niemand kennt...“
– Hávamál, Strophe 138
Diese mystische Initiation steht sinnbildlich für Odins Opferweg zur Weisheit – und zur Magie des Seiðr. Der Seiderman folgt dieser Spur – wissend, dass Seiðr kein Geschlecht kennt, sondern nur Tiefe, Mut und Wahrhaftigkeit.
Obwohl man ihn dafür verspottete, wagte er es – weil er wusste, dass im Seiðr die Macht liegt, das Schicksal zu lenken.
„Der Seiderman schreitet dort, wo andere stehen bleiben.“